Poesie der jungen Elisabeth

Poesie der jungen Elisabeth

Schon als junges Mädchen begann Prinzessin Elisabeth, ihre Erfahrungen und Erlebnisse in Form von Gedichten niederzuschreiben. Kurz nach ihrer Hochzeit mit Kaiser Franz Joseph flüchtete sich die erst sechszehnjährige Kaiserin, die sich in ihrer neuen Rolle überfordert, einsam und isoliert fühlte, verstärkt in die Poesie. So hoffte sie, ihr Unglück, ihre Ängste und Sehnsüchte artikulieren und verarbeiten zu können.

Anhand dieser frühen Aufzeichnungen wird deutlich, wie sehr sich die junge Monarchin schon zu Beginn einer vermeintlich glücklichen Ehe im goldenen Käfig des Kaiserpalasts gefangen fühlte. Ein „Gefängnis”, aus dem sie zeitlebens vergeblich auszubrechen versuchte.

Sehnsucht
Es kehrt der junge Frühling wieder
Und schmückt dem Baum mit frischen Grün Und lehrt den Vögeln neue Lieder
Und macht die Blumen schöner blüh´n.
Doch was ist mir die Frühlingswonne
Hier im fernen, fremden Land?
Ich sehn´ mich nach der Heimat Sonne,
Ich sehn´ mich nach der Isar Strand.
Ich sehn´ mich nach den dunklen Bäumen,
Ich sehn´ mich nach dem grünen Fluß,
Der leis in meinen Abendträumen
Gemurmelt seinen Abschiedgruß.
(Gedicht, ca. April 1854)

Ich bin erwacht in einem Kerker
Und Fesseln sind an meiner Hand
Und meine Sehnsucht wird immer stärker
Und Freiheit du mir abgewandt!
(...)
8. Mai 1854

O, dass ich nie den Pfad verlassen, der mich zur Freiheit hätt` geführt.
O, dass ich auf der breiten Straße
Der Eitelkeit mich nie verirrt!
(...)
Mai 1854