Kaiser Franz Joseph

Kaiser Franz Joseph

Franz Joseph Karl von Habsburg wurde am 18. August 1830 als ältester Sohn von Erzherzog Franz Karl und Prinzessin Sophie von Bayern in Wien-Schönbrunn geboren. Seine politisch aktive Mutter erzog ihn früh zu einem fleißigen, religiösen und würdigen Herrscher: Lebenslang orientierte sich Franz Joseph an Kirche und Militär, für Wissenschaft und Kunst hatte er kaum etwas übrig. Da verwundert es nicht, dass ihn in seiner Kaiserzeit kaum eine Darstellung anders zeigt als in der Uniform des Obersten Kriegsherrn.

Durch die Abdankung von Kaiser Ferdinand I und den Thronverzicht seines Vaters wurde Franz Joseph bereits mit 18 Jahren zum neuen Kaiser von Österreich gekrönt. Das Reich, dem Franz Joseph nun vorstand, entsprach der Größe des US-Bundesstaates Texas. Es war uneinheitlich, was die Kulturkreise, Nationalitäten, Sprachen und Religionen betraf, aber auch in den wirtschaftlichen und sozialen Strukturen. Zusammengehalten wurde die Monarchie hauptsächlich durch die Person des Kaisers, einen gutfunktionierenden Beamtenapparat und die Treue zum Haus Habsburg. 1851, drei Jahre nach seiner Thronbesteigung, hob Franz Joseph Verfassung und Grundrechte auf („Silvesterpatent”) und regierte als absoluter Herrscher.

1853 lernte der Kaiser in seiner Sommerresidenz in Ischl seine erst 15jährige Cousine Elisabeth (Sisi) kennen. Elisabeth war die zweite Tochter von Herzog Max in Bayern und Prinzessin Ludovika Wilhelmine, der Schwester von Franz Josephs Mutter Sophie. Eigentlich hatten die beiden Mütter insgeheim Helene (Nene), Elisabeths ältere Schwester , als zukünftige Ehefrau des Kaisers auserwählt. Statt dessen verliebte sich der 23- jährige Franz Joseph sofort unsterblich in die ungestüme, lebensfrohe Elisabeth und heiratete sie - zum Entsetzen aller - am 24. April 1854 in der Wiener Augustinerkirche. Der Ehe entstammten vier Kinder: Sophie (1855-1857), Gisela (1856-1932), Kronprinz Rudolph (1858-1889) und Marie-Valerie (1868-1924).

Die junge, unsichere Elisabeth hatte vom ersten Tag ihrer Ehe an Probleme, sich der strengen Etikette des kaiserlichen Hofes zu unterwerfen. Aus ihrer idyllischen Heimat war sie es gewohnt, tun und lassen zu können, was sie wollte. Plötzlich jedoch war sie Kaiserin von Österreich und fühlte sich eingesperrt und entmündigt. Der Kaiser, der Sisi innigst liebte, konnte ihr zu dieser Zeit kaum eine Stütze sein, zu sehr nahmen ihn seine Regierungsarbeit und die angespannte politische Situation Österreichs in Anspruch: 1866 kam es aufgrund von Differenzen in der Deutschlandpolitik zum Krieg zwischen Preußen und Österreich. Die Niederlage der der österreichischen Armee in der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli führte letztlich zur Auflösung des „Bundes der deutschen Staaten”. 1867 kam es zum Ausgleich mit Ungarn, was zum Großteil ein Verdienst Kaiserin Elisabeths war. Das Reich wurde neu gegliedert: es entstand eine „kaiserlich und königliche” Doppelmonarchie unter der Herrschaft des österreichischen Kaisers Franz Joseph, der am 8.Juni in einer feierlichen Zeremonie zum König von Ungarn gekrönt und über 40 Jahre an der Macht bleiben sollte.

Mit der Geburt des Sohnes Rudolph stand es für Franz Joseph außer Frage, dass sein Sohn und Thronfolger die militärische Tradition der kaiserlichen Familie fortsetzen musste: Am 21. August 1858, Rudolph war gerade einen Tag alt, ernannte er ihn zum Inhaber des 19. Linien-Infanterie Regiments. Damit war Rudolphs Lebensweg vom Vater vorbestimmt: Mit zwei Jahren trug er seine erste Uniform und nur ein Jahr später musste er seinen Vater zu stundenlangen Truppenparaden begleiten. Um ihn auf seine militärische Laufbahn vorzubereiten und ihn abzuhärten, entschieden sich Franz Joseph und seine Mutter Sophie, dem Jungen eine streng militärische Frühausbildung angedeihen zu lassen. So musste Rudolph als Siebenjähriger Kaltwasserkuren, stundenlanges Exerzieren bei Kälte und Regen und nächtliches Wecken durch Pistolenschüsse über sich ergehen lassen. Da sich der junge Kronprinz von seinem Vater unverstanden fühlte und seine Mutter, Kaiserin Elisabeth, zu dieser Zeit ausgiebig reiste, fehlte Rudolph jegliche familiäre Fürsorge. Erst als Kaiserin Elisabeth nach ihrer Rückkehr ein völlig verängstigtes, kränkliches Kind vorfand und sich beim Kaiser energisch gegen die Härte dieser Methoden aussprach, durfte Rudolph die militärische Ausbildung abbrechen. Aus heutiger Sicht betrachtet hatte diese frühkindliche Prägung sicher entscheidenden Einfluss auf seinen weiteren tragischen Lebensweg.

Erleichtert, dem militärischen Drill entkommen zu sein, widmete sich Rudolph in den nächsten Jahren naturwissenschaftlichen Studien und arbeitete an „Brehms Tierleben” mit, einem bis heute relevanten Standardwerk der Biologie. Da Rudolphs politische Anschauung in krassem Gegensatz zur offiziellen Politik des Hofes stand, war er allerdings gezwungen, ein Leben voller Heimlichkeiten zu führen. So war er ohne Wissen seines Vaters auch als Journalist für die liberale Presse tätig, wo er seine politischen Artikel anonym veröffentlichte. Obwohl er damit endlich eine Lebensaufgabe gefunden hatte, die ihn glücklich machte und erfüllte, wurde er Zeit seines Lebens vom Vater ignoriert, da dieser eine völlig andere Karriere für ihn vorgesehen hatte. 1881 heiratete Rudolph Prinzessin Stephanie, Tochter des belgischen Königs Leopold II, und gab damit wiederum dem Druck des Vaters nach. Die anfangs bemüht harmonische Ehe, aus der auch die 1883 geborene Tochter Elisabeth (Erzsi) entstammte, zerrüttete von Jahr zu Jahr mehr. Schuld waren nicht nur die unterschiedlichen Lebenseinstellungen des Paares, sondern vielmehr die zunehmenden Ausschweifungen Rudolphs und nicht zuletzt eine Geschlechtskrankheit, mit der er auch seine Frau ansteckte. 1888 / 89 verschlechterten sich Rudolphs Gemütszustand und seine Gesundheit dramatisch. Der verzweifelte Kampf um die Liebe und Anerkennung seines Vaters, die gescheiterte Ehe, seine Krankheit sowie zahlreiche Liebeseskapaden, Drogen- und Alkoholmissbrauch hatten den 30-jährigen Kronprinzen gebrochen. Er war ein verzweifelter, schwer depressiver Mann geworden.

Am 30.01.1889 erschoss Rudolph sich zusammen mit seiner letzten Geliebten, der Baronesse Mary Vetsera, im Jagdschloss Mayerling. Sowohl Franz Joseph als auch Elisabeth machten sich große Vorwürfe und kamen nie über dieses Unglück hinweg. Von diesem Tag an schien das Leben des österreichischen Kaisers von Tragödien überschattet: Acht Jahre später wurde seine Ehefrau - Kaiserin Sisi -, die nach dem Freitod ihres Sohnes ziel- und ruhelos durch Europa reiste, am Genfer See von dem italienischen Anarchisten Luigi Lucheni ermordet. Franz Joseph, der seine Frau zeitlebens all ihrer Eskapaden zum Trotz vergöttert und innigst geliebt hatte, war am Boden zerstört. Einzig die Töchter Gisela und Marie Valérie konnten ihrem Vater ein wenig Trost zusprechen.

1908 ließ sich Franz Joseph zum 60sten Jubiläum des Regierungsantritts in der gesamten Monarchie noch gebührend feiern, bevor er am 28. Juni 1914 einen weiteren Schicksalsschlag hinnehmen musste. In Sarajevo wurden sein Neffe und Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau in ihrem Auto von einem Attentäter erschossen. Das Königreich Serbien verweigerte die Auslieferung der Hintermänner des Attentats, Österreich-Ungarn erklärte Serbien den Krieg: die Folge war der Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 28. Juli 1914. Zwei Jahre später verstarb der 86jährige Kaiser Franz Joseph I. mitten im Krieg am 21. November 1916 in Schloss Schönbrunn an einer Lungenentzündung. Mit einer Amtszeit von 68 Jahren war er der am längsten regierende Monarch Österreichs. Mit ihm starb auch das österreichische Reich, und eine große Ära des Hauses Habsburg ging zu Ende.