Romy Schneider als Sissi

Auszüge aus Romy Schneiders Tagebuchaufzeichnungen

Zu ihrem 13. Geburtstag bekam Romy Schneider ein Tagebuch geschenkt. Von da an war das rote Buch, das sie "Peggy" nannte, ihr einziger Vertrauter. Während der Dreharbeiten zum 1. Sissi-Film entstanden u.a. folgende Eintragungen:

20. August 1955

Wir sind wieder in Wien. Wir sind wieder im Hotel Sacher. (..) Den Pförtner kenne ich, viele von den Statisten, von Film zu Film fühlt man sich heimeliger. Karlheinz Böhm ist diesmal der Kaiser meines Herzens. Ich verstehe mich auch mit ihm ganz gut. Im Film angele ich ihn mir im wahrsten Sinne des Wortes . Ich fische an einem Bach, er, der Kaiser, kommt dahergefahren auf der Straße, ich werfe meine Rute aus, schwupp, sitzt ihm die Angel am Rockaufschlag, und er lernt mich kennen.

24. September 1955

Ich bin siebzehn Jahre alt geworden. Wenn man den Drehbuchautoren trauen darf, beginnt ja dann das Leben. Ich bin gespannt. Es war wundervoll. Wir haben mit der ganzen Belegschaft bei den Heurigen gefeiert. (...) Alles war mit Lampions geschmückt, es war eine märchenhafte Stimmung. Von Mammi habe ich einen Satz Koffer ganz in weinrot geschenkt bekommen. Mit Monogramm R.S.

26. September 1955

Ich muss Qualen leiden. Weil die Sissi in ihrer Jugend lange schwarze Haare getragen hat, müssen meine jetzt natürlich auch länger sein. Ich trag` also eine Perücke. Ein blödes Gefühl. So ungewohnt und anstrengend vor allen Dingen. Das ist vielleicht ein Gewicht, das ich da dauernd mit mir herumzuschleppen habe! Wenn man`s nicht gewohnt ist, so wie ich, kriegt man bald Genickstarre.

30. September 1955

Außenaufnahmen an der Donau. Der Ernstl hat das herrlich hingezaubert. Ich fahre auf einem Donaudampfschifffahrtsdampfer die Donau hinunter, das Volk steht an den Ufern und winkt seiner zukünftigen Kaisern zu - also mir im Film. Das muss man sich mal vorstellen, die vielen Leute, die dort als Statisten stehen und winken und klatschen und jubeln. (..)

2. Oktober 1955

Die Dreharbeiten dauern diesmal endlos lange. Wir werden nicht fertig und werden nicht fertig. Und das ist schließlich nicht nur eine Zeitfrage. Jeder Drehtag kostet ein ungeheures Geld. Allein die Ausleuchtung der Szenen schluckt Unsummen. Ich bin versorgt, wenn ich mein Taschengeld habe. Mammi hat es neulich erst wieder erhöht.

4. November 1955

Noch eine besonders freudige Überraschung: eine Zeitschrift hat eine Publikumsumfrage nach den beliebtesten deutschen Schauspielern veranstaltet. Das Ergebnis hat mich glatt erschlagen: Ich stehe dort an zweiter Stelle, gleich hinter Maria Schell und vor Ruth Leuwerik.

5. November 1955

Zuletzt haben wir die Hochzeitsszenen gedreht. Für mich ist ein Brautkleid angefertigt worden: Ein Traum von einem Kleid! In so einem ähnlichen Kleid möchte ich mal auf meiner Hochzeit tanzen.

8. November 1955

Endlich wieder zu Hause. Wien ist wunderschön, viel schöner als Köln. Aber zu Hause bleibt zu Hause. (...) Jetzt habe ich Ferien. (...). Ich könnte jetzt glücklich darüber sein, endlich einmal wieder richtig ausspannen zu können. Und in Gedanken liebäugele ich bereits mit neuen Filmplänen. Wieso muss man immer unzufrieden sein, mit dem, was man hat?!